Gabriel Hill

Free, 2015

ImPortraits - Portraits Depicting Importance

Shireen, 21
geflüchtet aus Afghanistan, 2010
Ich bin seit zwei Jahren in der Schweiz. Meine Familie hatte nur genug Geld um meine Flucht zu bezahlen.
Ich bin alleine hier.
Da eine Flucht sehr viel Geld kostet wird es meiner Familie auch nicht möglich sein hierher zu kommen.
Als ich aufgebrochen bin, hat mein Vater mir ein Mobiltelefon mitgegeben. Mehr als das Mobiltelefon und die Kleider die ich trug konnte ich nicht mitnehmen.
Das Mobiltelefon war für mich auf der Flucht die einzige Möglichkeit mit meiner Familie in Kontakt zu treten und ihnen Bescheid zu geben, dass ich die Überfahrt überlebt habe. Auch gab es mir das Gefühl nicht völlig alleine zu sein.
Es hat mir alles bedeutet.

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Shireen, 21
fled from Afghanistan, 2010
I have been living in Switzerland for two years now. My family could only pay for my escape.
Therefore, I am all alone here.
It is very expensive to flee and my family won’t be able to come to Switzerland.
When I left home my father gave me a cell phone. This cell phone and the clothes I was wearing were the only things that I could take with me.
My cell phone was the only way to get in contact with my family and to tell them that I have arrived well. It also gave me the feeling that I am not alone.
It ment everything to me.

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Rohulla, 24
geflüchtet aus Afghanistan, 2010
Vor fünf Jahren floh ich aus meiner Heimat  Afghanistan. Mit dem Gummiboot überquerten wir das Meer. Keiner von uns wusste was uns erwartet, und ob wir sicher ankommen.
Auf der Flucht konnte ich ausser was ich an Kleidung trug nichts mitnehmen.
Ich war noch sehr klein als mein Vater getötet wurde.
Darum habe ich auch fast keine Erinnerung mehr an ihn. Mein Vater trug stets seine goldene Halskette welche mir meine Mutter gab, nach dem er starb.
 
Ich kam alleine in die Schweiz und diese Halskette ist alles, was ich von meiner Familie und meiner Heimat habe.
 
Die Halskette ist für mich das Wichtigste weil sie mir das Gefühl gibt, dass mein Vater immer bei mir ist und ich nie alleine bin.

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Rohulla, 24
fled from Afghanistan, 2010
Five years ago I fled from Afghanistan. Using a rubber boat we crossed the sea and none of us knew wheter we will arrive savely.
 
While fleeing I couldn’t take anything with me except the clothes I was wearing.
I was a kid when my father got killed.
Therefore I have almost no memory of him. My father was always wearing a golden necklace and after he died my mother gave it to me.
 
I came on my own to Switzerland and this necklace is everything that I have from my family and my homeland. This golden necklace means the world to me since it gives me the feeling that I’m not alone and that my father is always with me.

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Ahmet, 23
geflüchtet aus Eritrea, 2013
In Libyen habe ich ein Boot bestiegen, das mich nach Italien hätte bringen sollen. Mitnehmen konnte ich nichts ausser den Kleidern, die ich trug und einem kleinen Papierzettel mit der Nummer meiner Eltern darauf. 

Ich sollte gleich Bescheid geben, wenn ich sicher angekommen bin, damit sich meine Familie keine Sorgen mehr machen muss.

Auf etwa der Hälfte der Überfahrt ist das Boot gekentert. Es war sehr alt.

Da Kleider Wasser aufsaugen, habe ich alles ausgezogen und die Kleider verschwanden in der Tiefe des Meeres. 
Mit ihnen der Zettel.

Ich und etwa 200 andere Flüchtlinge überlebten die Überfahrt, über 250 sind ertrunken.

In der Schweiz angekommen fand ich erst Monate nach meiner Flucht aus Eritea jemanden, der meine Familie ausfindig machen konnte.
Sie dachten ich hätte die Überfahrt nicht überlebt.

Der Zettel mit der Nummer war das Wichtigste das ich besass.

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Ahmet, 23
fled from Eritrea, 2013
I got on board of a ship in Libya which had to bring us to Italy. 
I couln’t take anything with me except the clothes I was wearing and a tiny little piece of paper with the phone number of my family on it.

They told me to contact them soon after my ariving in Italy.

About half way en route to Italy the ship overturned. It was already very old.

My clothes were soaking with sea water and were getting heavy so I had to take them off. They disappeared in the sea. 
With them the piece of paper with the phone number.

I survived together with about 200 others. Over 250 have drowned.

Months after my escape from Eritrea I found someone in Switzerland who could contact my family. 
They thought I didn’t survive the crossing by ship.

The piece of paper with their number was the most important thing that I owned.

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Sejla, 33
geflüchtet aus Bosnien, 1992
Während meiner Kindheit reiste mein Vater geschäftlich nach Afrika. Obwohl ich mir als dreijähriges Mädchen einen lebendigen Affen gewünscht hatte, brachte er mir eines Tages einen Plüschhasen mit, den er am Zürcher Flughafen gekauft hatte.
Dieser namenlose Freund begleitete mich fortan. Als der Krieg anfing, ging alles derart schnell, dass ich weder verstehen konnte, was passiert, noch in der Lage war, zu überlegen, was ich mitnehmen möchte. So kam es, dass ich das Wichtigste im Kriegsgebiet zurück liess: meinen Vater und den Hasen. Ich werde sie für drei Jahre nicht mehr sehen. Ich schrieb viele Briefe, mit all meinen kindlichen Gedanken: „Konntest Du den Hasen finden? Ich vermisse Dich!“
Als ich 1995 in die Schweiz einreiste, war das Wiedersehen unbeschreiblich. Ich zitterte am ganzen Körper, als ich dieses liebe und so vertraute Gesicht am Zürcher Flughafen sah. In seiner Hand: mein geliebter Hase.

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Sejla, 33, primary school teacher
fled from Bosnia, 1992
During my childhood, my father would travel to Africa for his work. Even though, as a three-year old, I wanted him to bring me a real life monkey, one day he came back with a stuffed bunny, which he had bought for me on Zurich Airport.
This nameless friend accompanied me everywhere since then. When the war began, everything went so fast, that I couldn’t even understand what was going on, let alone think about what I wanted to take with me. That is how I left the most important of all in the warzone; my father and my bunny. It would take 3 long years before I would see them back. I wrote many letters, in which I sent him my childish thoughts; “Did you find my bunny? I miss you!”
That moment, in 1995, when I travelled to Switzerland to see my father again, is indescribable. My whole body was trembling, when I saw his familiar face that I loved so much, at Zurich Airport. In his hands: my beloved bunny.

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Projektbeschrieb

Weltweit werden Menschen wegen ihrer Ethnie, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt und sind gezwungen ihr Heim und ihre Heimat zu verlassen.
Wir alle sind berührt, wenn wir von den Schicksalen der Menschen, die fernab ihrer Heimat Schutz suchen, lesen. Doch nur all zu schnell geschieht es, dass dies wieder vergessen geht und wir uns wieder unseren eigenen Dingen zuwenden.
Wer flüchten muss kann nur das absolut Wichtigste mitnehmen. Das non-profit Projekt ImPortraits porträtiert Flüchtlinge mit dem für sie allerwichtigsten Gegenstand, den sie mitnehmen konnten. Es gibt den Flüchtlingen ein Gesicht sowie eine Stimme und löst beim Bildbetrachter einen Denkprozess aus, den sie in die gleiche Situation versetzt, indem sich die Flüchtenden befanden. Das Heim und die Heimat verlassen mit nur dem Allerwichtigsten. Was nehme ich mit? Was ist wirklich wichtig wenn alles zurück gelassen werden muss?
Die Porträts sowie die dazugehörenden Geschichten werden in einem Bildband zusammengefasst und anschliessend in einer Ausstellung präsentiert. Wir erfahren wer der Porträtierte ist, woher er kommt und warum gerade dieser Gegenstand für ihn so wichtig ist. Um die repetitive Natur dieser individuellen Schicksale zu unterstreichen verwende ich immer das exakt gleiche Setup.
Auch Sie können Teil des ImPortraits Projekts werden! Alle Posts auf Instagram und Twitter unter #importraitsproject, sowie die Posts auf facebook.com/importraits.ch werden auf www.importraits.ch in einem Livestream publiziert, wo Sie auch weitere Geschichten von Flüchtlingen finden können.
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Publikationsinformationen

Titel der Arbeit
ImPortraits - Portraits Depicting Importance